Besser Welt als nie*

* „Besser Welt als nie“ ist der Titel eines Dokumentarfilms von Dennis Kailing über seine Weltreise mit dem Rad. Sehr sehenswert. Und er passt irgendwie zu diesem Kapitel 🙂

Diese Bike-Tour hat einen Anlass. Und eine Vorgeschichte. Und sogar eine Vortour. Und, zugegeben, einen seltsamen Titel. Und das kam so:

Es begab sich einige Wochen nach meiner letztjährigen Highlands-Tour, dass ich in meiner üblichen vorwinterlichen Schwermut schwelgte. Der Saarländer sagt dazu: ich hann die Flemm.

„Was haste?“ fragte mein fürsorglicher Drumlehrer Fabian, der alte Schottenrocker
„Kein Lust“ (mit Fabi schwätz ich hochdeutsch)
„Brauchste ’ne Herausforderung?!“
„Hm“
„Wie wär’s mit Schottland?“
„Da komm ich doch grad her“
„Nee, zum Musik machen, nächstes Jahr, auf die Worlds“
„Hä, ich auf die Worlds?“

The World Pipe Band Championships, in der Szene nur „die Worlds“ genannt, finden jährlich im August in Glasgow im Stadtpark, dem Glasgow Green, statt. An zwei Tagen treten über 200 Pipebands aus aller Welt in ihrer jeweiligen Leistungsstufe (Grades) an. Die Grades reichen von 4b bis zu 1, der Masterclass. Deutsche Bands sind eher selten vertreten und wagen es meist nur dann, wenn sie auch in Deutschland bei den Competitions auf dem Treppchen stehen, am besten mit Meistertitel, so wie in der Vergangenheit zBsp Odenwald, Heidelberg, Frankfurt oder Nutscheid. 2025 war keine deutsche Band vertreten, Heidelberg hat es für 2026 geplant.

Und da will ich kleiner K-Town drummer boy, der bisher nur Grade 5 spielte, teilnehmen? Grade 5 gibt’s in Schottland gar nicht erst. Aber Fabi meint, Scotch Watch mit ihrem Drum-Instructor Allan Craig 🤩 suchen noch Drummer für eine Worlds-Teilnahme im Grade 4b und das könne ich mir ruhig zutrauen. Allezdann, that’s my new challenge now.
Und so trat ich Scotch Watch bei, dem Projekt eines schottisch-schweizerischen Pipe-Majors, der speziell für die Worlds Spieler zusammensucht und so eine Band im Grade 4b formt. Ein zusammengewürfelter Haufen aus ganz Deutschland, Schweiz, Südafrika!, Schottland und Frankreich (die anderen 4 Snare-Drummer waren alles Bretonen). Ich begann im Dezember die Noten zu üben, im Februar hatten wir mit einem Teil der Band einen Wochenendworkshop und dann sahen wir uns erst kurz vor den Worlds im August wieder. Als komplette Band übten wir zum ersten Mal 2 Tage vor unserem Worlds-Auftritt zusammen. Bis dahin hatte ich auch noch nicht mit den anderen Snares gespielt, sondern nur alleine zuhause auf dem practice pad.

Ein gar wildes Unterfangen.

Und es war saugeil.

Und dann ist es soweit. Tag 2 der Worlds und wir sind 11:24 Uhr in Circle 6 dran. Wir spielen uns abseits am Bandbus ein, machen pre-tuning und betreten dann den heiligen Rasen zum final tuning. Überall wird geprobt, getunt, das ganze riesige Green ist eine einzige Dudel-Kakophonie.

Und los geht’s
Band!
Ready!
By the right!
QUICK MARCH!

9 Monate Vorbereitung für diese 3:18 min

Danach war ich absolut fertig, überwältigt, begeistert und wahnsinnig erleichtert. Hey, ich hab auf den Worlds gespielt. Den fucking Worlds. Und ich hab’s nicht verkackt. Whoah! Ich war ne Zeitlang so neben der Spur, ich hab sogar ein Irn-Bru genossen (oder „Inbrunst“, wie Thomas es nennt)

Scotch Watch, ein bunter Haufen, der in Vollbesetzung nur 8 Stunden zusammen geprobt hat und von 45 im G4b angetretenen Bands immerhin im Mittelfeld gelandet ist. Es war mir ein Fest.

Für die Drummer unter uns hier mal zum Vergleich ein Grade 1 Drumcorps beim Proben. Inveraray & District, alter und neuer World Champion mit ihrem Leading Drummer, dem 11-fachen Solo-Weltmeister Steven McWhirter