Schottlands kleine Tierwelt

Tag 4 – Mi. 20. August 2025

Kingshouse – Glenfinnan

65km – 860hm – 5:45h Fahrzeit – 9:20h gesamt

So. Heute geht’s ins Glen Coe. Letztes Jahr bin ich es unter Zeitdruck hoch, heute geht es gelassen bei bestem Wetter runter. Als Frühstück wieder nur Instant Kaffee und Riegel, denn ich will im legendären Clachaig Inn zünftig frühstücken. Heute gibt’s natürlich Musik aus dem ersten Highlander-Film von 1986

Der Clachaig Inn ist urig, proppenvoll und Breakfast gibt’s keins mehr. Daher fahre ich weiter, um im Ort Glencoe im Craft & Things, wo ich letztes Jahr bereits war, zu frühstücken. Leider bin ich auch hier für ein Full Breakfast zu spät, dafür gibt’s lecker angerichtete Rolls also belegte Brötchen und ’ne Suppe.

Zum Thema schottische Tierwelt habe ich diese Keksdose im Craft&Things fotografiert. Damit grüße ich alle Mitglieder und Sympathisanten des exklusiven Clubs der Eichhörnchenversteher, übrigens allesamt Pipeband Drummer
Danach fahre ich zum Coop in Ballaculish um die Tagesverpflegung einzukaufen und treffe dort Mak wieder. Mak ist bißchen älter als ich und ist mit einem schwer bepackten Tourenrad unterwegs. Gestern kam er kurz nach mir in Kingshouse an und fragte mich, ob man hier zelten könne, wobei er auf das Schild „No Camping“ zeigte. Ich wiederum zeigte auf die Menge an Zelten, die hinter dem Schild standen, zuckte mit den Schultern und empfahl ihm die mückenfreie Stelle. Heute morgen -er hatte mir erzählt, er sei seit Monaten auf Weltreise- hatten wir uns voneinander verabschiedet, but you always meet twice. Nach kurzem Smalltalk verabschieden wir uns wieder und fahren getrennt weiter.

Aber was in Barbieland die Perfidious-Puddles sind in den wilden Highlands ihre fiesen Schwestern, die Boghole-Beasts. Tun ganz harmlos und schicken einige eingetrocknete Dummies vor, die problemlos durchfahren werden können, man wird leichtsinnig und nimmt die nächste mit Schwung, denn sie lauern immer am Ende von kurzen Abfahrten, damit auch Tempo und Neigung stimmen und dann schlagen sie zu. Das Vorderrad sinkt bis über die Nabe im Matsch ein, bleibt stecken, das Hinterrad kommt hoch, Candy (hab ich schon erwähnt, dass ich mein Bike Candy nenne?) und ich machen einen filmreifen Salto und landen rücklings im Matsch. Aber eins muss man den Beasts lassen, sie lassen einen weich aufschlagen, liefern eine kostenlose Fango und zum Service gehört immer ein naheliegender Bach zum Abspülen. Kann man nicht meckern.

Ab jetzt ist der Rest der Abfahrt Kacke und ich schiebe das Meiste. Allerdings gibt es schöne Aussichten auf Knoydart Aber dann kommt auch noch eins von diesen, na seht selbst:

Schließlich erreiche ich den heiligen Gral aller Harry-Potter-Jünger (ich gestehe, nicht dazu zu gehören), das Glenfinnan Viadukt bzw. erst mal dessen Parkplatz. Ich fahre zu einer Picknick-Bank, lasse mich gerade dort nieder, da kommt Mak angerollt.
Was, wie, hä? Wir hatten uns gar nicht erzählt, dass Glenfinnan unser beider Tagesziel ist und er ist über die Straße gefahren, also ’nen ganz anderen Weg. Zum dritten Mal zufällig getroffen? Als anständiger Saarländer bedeutet das: mir gehn jetzt ääna trinke!

Hier hat alles schon zu, also bleibt nur das nahe gelegene, äußerst edle Glenfinnan House Hotel. Wir duften beide nicht nach Chanel und ich bin noch immer nicht ganz entschlammt, aber man hat nichts dagegen, dass wir die von gut Betuchten gut besuchte Lounge Bar entern. Und mal wieder zeigt sich, dass Whisky mein Englisch signifikant verbessert, zumindest gefühlt.
However, es ist sehr amüsant und anregend und wir sind die letzten, die die Bar verlassen. Fahren dann zur Wiese am Glenfinnan Monument (da wo Bonnie Prince Charlie angelandet war) und schlagen dort in der Dunkelheit unsere Zelte auf, umgeben von mehreren interessierten Zaungästen, mit denen das Tierwelt-Kapitel beendet wird.