Epilog: Ferrytales

So. 24. August 2025

Am nächsten Morgen schlendere ich noch bißchen durch das Städtchen, aber für einen Besuch der Destillerie ist leider wieder keine Zeit. Soll dieses Jahr wohl nicht sein.

Beim Warten auf den Zug finden sich immer mehr Radfahrer ein. Ein Pärchen aus Frankreich war die letzten 2 Wochen auf dem Hebridean Way unterwegs, wobei sie das denkbar beste Wetter erwischt haben, im Gegensatz zu dem deutschen Pärchen in meinem B&B, das sich jetzt dorthin auf den Weg macht, wo eine Regenphase beginnt. Der Franzose fragt mich, wie mir die „Ill de Müll“ gefallen habe 🙂 . Der Zug ist völlig überfüllt, aber es gibt einen eigenen Bike-Wagon. Guggsdu, DB.

Von Glasgow Queen-Street wechsle ich nach Glasgow Central und im Travel-Center bekomme ich tatsächlich zu meinem erstaunten Entzücken eine Verbindung nach London, die sogar unverzüglich startet. In Crewe muss ich umsteigen. Die Tür zwischen Personen- und Bike-Abteil ist während der Fahrt verschlossen und öffnet sich erst kurz vor dem Bahnhof. Ich binde Candy los, mache uns bereit und warte, dass die Tür nach aussen sich automatisch öffnet, denn innen gibt es keine Möglichkeit dazu. Der Zug hält und ich warte. Und warte. Und werde nervös. Das kenn ich doch. Also Candy auf’s Hinterrad gestemmt, durch das Personenabteil gehetzt und zur vorderen Tür raus. Die Schaffnerin sieht mich, entschuldigt sich im Losfahren, sie habe mich vergessen und weg ist der Zug. Puh. A pocket full of adrenaline.

Ich erreiche Dover um 23:15 Uhr. Hier gibt es ein Youth-Hostel, aber die erste Fähre geht um 6:00 Uhr und für die paar Stunden kann ich mich auch irgendwo hin placken. An der Uferpromenade habe ich einige Wetterunterstände in Erinnerung, die ersten beiden sind belungert, der dritte ist frei und ich breite mich im Schlafsack aus, Candy mit dem Minialarm gesichert. Aber kurz vor Mitternacht wird mir das doch zu mulmig und ich rolle zum nahegelegenen Youth-Hostel. Das nennt sich „Adventure Backpackers“, abenteuerlich ist es in der Tat, mit wohlwollenden 2 Sternen und die Rezension „authentisch“ trifft es ziemlich gut. Ich bekomme noch so was wie ein Bett in einem 6er Dorm aus der Zeit der Jakobiteraufstände, aber da ich weckerbedingt nicht ohrstöpseln kann und jemand wahrhaft unermüdlich versucht, eine Kettensäge mit leerem Tank zu starten, wird’s ne ziemlich schlaflose Nacht. Um 4:15 schleich ich mich raus.