Anreise

Juli 2022. Chaos an deutschen Flughäfen. Die Hitzewelle brennt die Klimakrise in (fast) aller Bewußtsein. Und ich will nach Schottland! Aber fliegen? Geht’s nicht auch anders? Mal sehen.

Erster Gedanke: Euro-Tunnel. Saarbrücken-Paris mit TGV/ICE? Nehmen nur verpackte Räder mit. Erlaubtes Maximalmaß 1,20m Länge. Ich habe mir letztes Jahr günstig ein gebrauchtes Evoc Bike Bag Pro geschossen. Absolutes Edelteil, aber mit einer Länge von 1,47m. Na, geht vielleicht trotzdem, so viel Toleranz wird die Bahn wohl haben. Aber der Eurostar durch den Tunnel nimmt seit Corona keine Räder mehr mit, auch keine verpackten. Sackgasse.

Dann halt Fähre. Da gibt es vier Möglichkeiten: Calais oder Dünkirchen nach Dover, Rotterdam nach Hull und Amsterdam nach Newcastle. Die letzten beiden sind von Saarbrücken aus zeitlich gesehen ziemlich ungünstig. Also Calais oder Dünkirchen.

Zu Fuß mit einer Biketasche auf eine Fähre einzuchecken kann man vergessen, selbst wenn diese Rollen hat (die Tasche, nicht die Fähre). Dafür sind die Eincheck-Wege einfach zu weit und die Fährhäfen sowieso nicht oder schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angeschlossen. Also unverpacktes Rad.

Nach längerem Suchen und Vergleichen hat sich folgende Route für mich als zeitlich, organisatorisch und preislich beste ergeben:

  • Flixbus von Saarbrücken nach Brüssel/Nord. Ich bin kein Freund von Fernbussen, aber mit der Bahn dauert es erheblich länger und ich müsste in London übernachten
  • IC von Brüssel/Nord nach Gent
  • IC von Gent nach De Panne an der belgischen Küste und französischen Grenze
  • Von dort keine Verbindung nach Frankreich, daher 35km mit dem Rad zum Fährhafen Dünkirchen
  • Fähre Dünkirchen-Dover
  • Mit dem Rad zum Bahnhof Dover-Priory
  • Mit der Southeastern-Railway nach London
  • Mit dem Caledonian-Sleeper von London-Euston nach Inverness. Diese Bahn ist ideal, um von London nach Schottland zu kommen. Es gibt mehrere Linien nach Edinburgh, Glasgow, Inverness, Aberdeen und Fort William.

Start in Saarbrücken um 4:25 Uhr, Ankunft in Dunblane am Folgetag um 5:10 Uhr, also 25:45 Fahrzeit. 200€ oneway.
Ich hatte mit reichlich Luft zwischen den Verbindungen geplant. Das lief jedoch so glatt, dass ich statt um 16.00 bereits um 14:00 auf die Fähre konnte. Theoretisch hätte ich also eine frühere Zugverbindung in London nehmen können und wäre dann bereits um 22:20 in Edinburgh und um Mitternacht in Dunblane gewesen. Aber mit dem Rad in der Rushhour quer durch London, das ist die Verzögerung wert.

Fliegen ist einfacher, aber alles in allem, von Haustür bis Startpunkt der Biketour gerechnet, nicht unbedingt schneller.
Vorteil der Bus/Bahn/Fähre-Variante: man kann recht kurzfristig planen und ist vor allem mit der Rückreise flexibel. Ich habe die Rückfahrt erst am vorletzten Tag der Tour gebucht.
Und eins kann ich im Nachhinein sagen: mit dieser Route beginnt das Abenteuer bereits an der Haustür:

to be continued………….