The great wilderness

Tag 11 – Mi. 30. Mai 2012

Poolewe – Ullapool

77,6km – 1500hm – 6,5h


Fisherfield-Forest. Eine der entlegensten Regionen der Highlands und beliebtes Berg-Wandergebiet. Gleich 5 Munros versammeln sich hier (ursprünglich 6, aber einer wurde plutonisiert). 

Die Route quer durch bis zur nächsten Straße ist 40 km lang, davon 25 km Singletrail. Nach 23 km muss man den Fluss Strath na Sealga queren, was bei hohem Wasserstand ein Showstopper sein kann. Die einzige Beschreibung einer Bike-Befahrung, die ich gefunden habe, stammt von 13FM und die läßt Großes erwarten.

Nach Frühstück im Hotel und Proviant Einkauf im Store starte ich ziemlich spät, um 10.50 Uhr. 13FM fuhr die ersten Kilometer ab Poolewe auf einem Pfad nördlich von Loch Kernsary, allerdings riet er von dieser Route ab und empfahl, stattdessen den Einstieg südlich, entlang des River Ewe zu nehmen. Das mache ich dann auch und fahre 7 km auf einem Wirtschaftweg, die letzten beiden durch ein Waldstück. Als ich da rauskomme, beginnt der Singletrail und mit ihm die große Wildnis.

David Arkenstone Cailleach's Whisper

9 km verläuft der Pfad durch die Ebene von Fionn Loch, akustisch untermalt von den ständigen Rufen eines Kuckucks. Jetzt fällt mir auf, dass ich fast jeden Tag einen solchen gehört habe. Ein heimlicher Begleiter?

Schon ist das Ende von Fionn Loch in Sicht und der Causeway (Damm), der es von Dubh Loch trennt.

A perfect place for teatime

Der Damm ist eigentlich nur ein schmaler, betonierter Pfad und leider habe ich kein Foto gemacht, daher hier eines aus dem Netz: geograph.org.uk

In der Nähe des Causeways liegt die Carnmore Bothy, die allerdings komforttechnisch eher was für Puristen ist.

Ab hier kann man auf den A’Mhaighdean wandern, aber das wären insgesamt 8 km und das passt leider nicht in meinen Zeitplan. Die Maidens View würde es allerdings lohnen: geograph.org.uk

Nach weiteren 2,5 km endet die erste Bergetappe und der Downhill ins Gleann na Muice beginnt.

Das Tal Gleann na Muice. Links erhebt sich der Beinn Dearg Mor, dahinter der An Teallach, der berühmteste der Fisherfield-Munros.

Der Downhill hat sehr steile Passagen, mit grobem Geröll und Blöcken, so dass ich manches sicherheitshalber schiebe. Im Gleann na Muice verläuft der Pfad 3,5 km teil­weise nur fußbreit durch das Heidekraut und ist recht beschwerlich, aber fahrbar.

An Teallach (1062 m)

Am Beginn der Ebene von Strath na Sealga komme ich nach Larachantivore, ein nur zeitweise genutztes Farmgebäude und nebenan eine Schutzhütte.

Die Ebene Strath na Sealga (Strath bedeutet „weites Tal“) ist reine Moorlandschaft, durchflossen vom Abhainn Strath na Sealga (Abhainn=“Fluß“) der mündet in’s …na?…Loch na Sealga (logisch, oder?). Wie bereits erwähnt, je nach Wetterlage ist der Fluß nicht passierbar und man muß umkehren. Damit ist heute eher nicht zu rechnen, trotzdem weiß ich nicht, wo eine geeignete Furt ist. Der Pfad führt nach Nordwesten, Richtung Loch, ich muß aber nach Osten und so überquere ich, bar jeder Vernunft, kurz hinter Larachantivore den Abhainn Gleann na Muice (wieder logisch) und stapfe quer durch’s Moor.

Ähm…sagte da nicht einer vor ein paar Tagen Never Moor! ? Ja schon, aber man schaue sich das mal an:

Trockenrisse im Moor. Gibt’s auch nicht jeden Tag.
Im Hintergrund, Bildmitte, die Shenavall Bothy am Fuß des An Teallach

Na ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn die Moorgräben müssen immer noch übersprungen und gangbare Stellen im Zickzack gesucht werden. Aber es geht. Und auch der Fluß ist bei diesen Bedingungen kein Problem.

Abhainn Strath na Sealga. Am Kiesbett sieht man, wie breit der werden kann

Ich erreiche den Pfad, der zur Bothy führt. Von Weitem sehe ich, daß sich dort einige Wanderer einquartiert haben, aber ich will mich sowieso nicht niederlassen und so folge ich in Gegenrichtung dem Pfad talaufwärts, der bis auf einige boggy Senken recht gut fahrbar ist.

Blick zurück. Links Beinn Dearg Mor (906m). Mitte Loch na Sealga.
Rechts An Teallach und Shenavall Bothy

Ab dem verlassenen Haus von Achneigie wird der Pfad ein Landrover-Track. The Great Wilderness wird etwas kleiner, aber nicht weniger schön.

Dann verläßt der Track das Tal und zieht sich nach Norden den Hang hoch. Das eröffnet nochmals ein tolles Panorama Richtung Loch na Sealga.

250 Höhenmeter zieht sich der Track den Hang hoch, verläuft dann 2 km über eine Hochfläche und dann geht’s wieder abwärts bis zur A832. Hier endet die große Wildnis endgültig.

Ab hier gibt es eine Offroad-Strecke bis Loch Broom, an dem Ullapool liegt. Ich habe aber keine Infos über die Fahrbarkeit gefunden und Experimente möchte ich heute keine machen. Also folge ich 13FMs Route und fahre die A832 Richtung Osten. Es geht wieder hoch, 260 Höhenmeter, dann flach, mit heftigem Gegenwind. Es zieht sich, nach der Wildnis sind die 12 km zweispurige Teerstraße zermürbend, aber dann rollt es endlich abwärts bis zur Braemore Junction an der A835. Einen km vor der Junction, kann man offroad abkürzen und an den Falls of Measach über eine Fußgängerbrücke zum Viewpoint der Corrieshalloch Gorge und von dort auf die A835. Aber das habe ich leider erst zuhause entdeckt.

Die A835 ist die Hauptverbindung nach Ullapool und entsprechend stark befahren. Bis Ullapool sind es 22 km, mit schönen Aussichten auf Loch Broom, aber mittlerweile muss ich mich jede Steigung hochkämpfen, die Sitzfläche schmerzt immer noch und so bin ich froh, als endlich Ullapool erreicht ist.

Erste Anlaufstelle ist der Ferry Boat Inn ein proppenvoller, uriger Pub mit Livemusik. Ich nehme mir erst mal meine Belohnung und setzte mich zum Rauchen draußen auf die Kaimauer

Dann rein in den Pub zum Essen. Kein Tisch frei, aber zwei Kerle rücken zusammen. Ich gönne mir Muscheln in Weißweinsoße mit Petersilie. Die Jungs sind Belgier und wir unterhalten uns bei The Flying scotsman Bitter und Bruichladdish lange über Schottland, Biken und Wandern. Erst nach Mitternacht verlasse ich den Inn etwas unsicheren Schrittes, aber auf dem Bike läuft’s dann wieder (dank meiner Trainings­einheiten im Promille Biking Club). Der Camping liegt am Ende der Hafen­strasse, schnell baue ich im Dunkeln das Zelt auf und falle in great, wild dreams.

Slàinte mhath!

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