Ausgerechnet Schottland?

Wir schreiben das Jahr 2012.

Ich war bisher 2 mal in den Highlands: 1992 zehn Tage mit dem Auto und 1995 vier Wochen und 1000 km mit dem Trekkingrad.
Das war beeindruckend, aber leider alles nur on-road.

2003 bin ich auf’s Mountainbike gewechselt und seitdem juckt es mich in den Füssen, die Highlands offroad zu durchqueren.

Warum?

Da regnet’s doch immer, es gibt nur Mücken und Schafe, Matsch und Moor, keine Bäume, alles kahl.

Hm. Lassen wir das mal so stehen und fragen die wundervolle Jenny Graham aus Inverness, die übrigens 2018 eine Weltumradlung machte, unsupported, also völlig auf sich alleine gestellt, 29.000 Kilometer in 124 Tagen, offizieller Guinness-Weltrekord!! und die ich, als sie dabei durch Belgien fuhr, für 2 Stunden begleiten durfte:

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass ich jetzt, da ich auf die 50 zugehe, auf solche Gedanken komme. Die Midlife-Crisis bringt ja so manchen Mann auf dumme Ideen. Und ich finde, man kann schlechtere haben.

Na dann, nix wie hin.

Letter of intent

Am Anfang war es nur eine vage Idee. Mehrere (zugegebenermaßen halbherzige) Anläufe, Streckeninfos zu finden, blieben erfolglos.
Bis ich im August 2011 auf das englische Mountainbike-Forum Singletrackworld stieß und dort auf den Bericht von 13thfloormonk (den ich im weiteren Bericht nur 13FM nenne), einem Schotten, der solo den Fernwanderweg Cape-Wrath-Trail mit dem MTB gefahren ist.
Der Bericht (der leider mittlerweile aus dem Forum entfernt wurde) und vor allem die Fotos machten mir klar: das ist es, genau so was will ich auch.

Allerdings ging aus 13FMs Schilderungen hervor, dass die Route über weite Strecken nicht wirklich fahrbar war, man sich also auf viel Schieben und je nach Wetter auf „lots of boggy conditions“ einstellen musste.
Um mit dem Reisezeitpunkt flexibel zu bleiben, damit ich kurzfristig bei allzu schlechter Wetterlage umbuchen konnte und um keinem Partner wegen unfahrbarer Streckenteile Rechenschaft schuldig zu sein, beschloss ich, die Sache ebenfalls alleine durchzuziehen.
Dabei war mir im Vorfeld etwas mulmig zumute, aber im Nachhinein habe ich die Entscheidungen nicht bereut, im Gegenteil.

Kick-Off

Ich begann, intensiver zu recherchieren, durchforstete das Singletrack-Forum, diverse GPS-Portale, Wanderberichte, schaute mir die möglichen Routen auf Google-Maps und geograph.org an und baute mir so im Laufe eines halben Jahres eine 14-Tages-Route zusammen, die etwa zur Hälfte der von 13FM entsprach. Die Route war nicht 100% fix, sondern enthielt diverse Varianten, die Länge der Tagesetappen und auch das Endziel waren nicht absolut festgelegt. Ich musste nur am Ende irgendwo an der Bike-Bus-Route von Durness nach Inverness rauskommen. Für alles erstellte ich mir auf GPSIES die GPS-Tracks und druckte Kartenausschnitte von den Ordnance-Survey-Karten aus.

Wem das Selbst-Planen nicht liegt: es gibt einige Anbieter, die geführte MTB-Touren durch die Highlands anbieten, vor allem natürlich schottische, zum Beispiel go-where-scotland, deren Inhaber Aneela und Andy McKenna ich 2019 auf meinem Cairngorms-Trip getroffen habe. Aus Deutschland ist mir nur Serac Joe bekannt, die zwei sehr interessante Touren anbieten. Weitere Anbieter nehme ich gerne hier auf, einfach melden.

Für die, die in den Garten wollen, gibt es seit 2013 das Highland Trail Race 550, ein „long distance self-supported“ MTB-Rennen über 550 Meilen! durch die Highlands, teilweise durch völlig entlegene Regionen und härtestes Gelände. Mehr dazu in meinem Bericht der Tour 2017.

Meine Tagesetappen waren dagegen Kindergeburtstag. Aber ich wollte die Highlands ja genießen und wegen der vielen Sightseeing-Stopps ist mein Temposchnitt auch jenseits aller sportlichen Ambitionen.

Mein Reisebericht wird sehr ausführlich sein (und wegen der vielen Bilder und Karten am besten am PC zu lesen), denn wie 13FM möchte ich denen, die ähnliches planen, Tipps und Anregungen geben und denen, die einfach Schottland interessiert, viel Spaß beim Lesen bereiten.

Beginnen wir also mit der ersten Geschichte….

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