Tag 7 – Mo. 20. Mai 2019
105km – 1300hm
Die Route, die ich heute fahren will, habe ich nicht vorgeplant. Es wird ein Stück über den HT550 gehen, wie 2017, dann einen Teil der 2013er-Strecke des HT entgegengesetzt und dann ein Stück des HT, das ich 2017 ausgelassen habe. Dazu will ich erst mal mit dem Zug von Aviemore nach Dalwhinnie. Schon vor 7 Uhr stehe ich am Bahnhof. Aber die nächste Möglichkeit ist, erst an Dalwhinnie vorbei nach Blair Atholl zu fahren und dann wieder zurück. Um kurz nach 8 bin ich in Blair, um kurz vor 9 geht’s zurück.
Es gibt, wie in vielen englischen Zügen, ein eigenes Bike-Abteil, das während der Fahrt nicht zugänglich ist. Als wir also in Dalwhinnie ankommen, will ich aus dem Personenabteil aussteigen, um von aussen ans Bike-Abteil zu kommen. (Mittlerweile weiß ich, dass die innere Tür zum Bike-Abteil automatisch an den Haltestationen geöffnet wird). Aber an der Tür nach aussen ist kein Hebel, kein Griff und kein Knopf zu finden. Ich taste hektisch alles ab, nichts. Also renne ich durch’s Abteil zur nächsten Tür. Auch hier, keine Möglichkeit zum öffnen. Weiter gerannt und unterwegs „can somebody help me out“ gerufen. Nächste Tür, kein Griff. Jeden Moment muss der Zug weiter fahren. Ich werde leicht panisch. Ein Fahrgast erbarmt sich, schiebt das Fenster der Tür nach unten und öffnet die Tür von aussen, was offenbar die einzige Möglichkeit ist. Echt jetzt?
Ich springe raus, die Schaffnerin wartet schon ungeduldig, ich hechte zum Bikeabteil muss das Bike erst abschnallen und dann raus damit. Kaum draussen, fährt der Zug los. Puh. Ich bin fix und fertig, muss erst mal zur Ruhe kommen.
Noch voller Adrenalin fahre ich los zum Loch Ericht und an diesem entlang. Nach ein paar Kilometern wird mir erst bewußt, dass ich eben in Dalwhinnie war. Dem Ort mit der höchstgelegenen Destillerie Schottlands. Der Whisky, den ich als erstes besaß. Und ich hab nicht daran gedacht, einen Besuch abzustatten. Depp.

Loch Ericht ist 25km lang und auf dem Forsttrack am westlichen Ufer ist easy going. Nach 8km, an der schloßartigen Ben Alder Lodge, biege ich nach Westen Richtung Loch Pattack.

Als ich dort den HT550 erreiche, habe ich zwei Varianten: dem HT noch ein Stück nach Norden folgen und dann wieder nach Süden auf den HT von 2013 wechseln. Oder über die Hügel abkürzen, die auf dem Bild hinter dem Loch zu sehen sind. Die Hügel-Strecke ist zwar nirgends beschrieben, aber das will ich trotzdem probieren. Kurz vor der Abzweigung kommt mir ein Ranger im Pickup entgegen und spricht mich an. Er rät mir dringend davon ab, über die Hügel zu fahren. Hm, kann der sich vorstellen, auf welchen Strecken ich normalerweise unterwegs bin? Aber gut, nehme ich den Rat mal an, fahre den HTR nach Norden und quere dann nach Westen Richtung Loch Laggan.
Bevor ich Loch Laggan erreiche, biege ich nach Süden in das Paralleltal, in dem das zweigeteilte Lochan na h’Earba (West und East) liegt. Nettes, ruhiges Tal, mit breitem Sandstrand am Ende


Dann geht’s runter in’s Glen Laggan und am Laggan Reservoir wieder auf breiter Forststrecke hoch. Auf halber Höhe rastet ein Bikerpärchen und ich halte an, um zu plaudern. Die beiden sind Aneela und Andy McKenna, Inhaber der Biketour-Agentur go-where (die allerdings mittlerweile nicht mehr aktiv ist). Sie wollen zur Corrour-Station und mit dem Zug heim. Und da das bis dort auch meine Strecke ist, schließen sich die beiden mir an und wir fahren gemütlich durch das fantastische Strath Ossian mit Loch Ghuilbinn und schließlich Loch Ossian.
Wie alle schottischen Radler frage ich auch sie, ob sie Jenny Graham kennen. Ja sicher, sogar persönlich, und darauf erzähle ich, wie ich Jenny und Lee Craigie in Belgien getroffen habe, um sie auf dem letzten Stück ihrer Weltumrundung anzufeuern. Andy erwähnt nebenbei, dass er MS hat und daher beim Biken langsam und häufiger Pausen machen muss. Am Abzweig zur Corrour-Station spendieren die beiden mir ihren restlichen Meth, falls ich heute noch kochen will und dann fahren wir entgegengesetzt weiter. Die Corrour-Station liegt nur ein kurzes Stück weiter, mitten im Rannoch-Moor und ist die abgelegenste Bahnstation der Insel. Für mich geht es wieder nach Osten entlang der Flanke von Loch Ossian hoch auf der Old Road to the Isles.


Also nix wie los zur Bar des Loch Rannoch Hotels. Nach Burger, Bier und einem ersten Whisky erscheint mir die Aussicht, zurück zum feuchten und kalten Zelt zu fahren, gar nicht so prickelnd. Ich frage an der Rezeption nach einem Zimmer. Kostet 120 GBP die Nacht. Hm. Zelt steht bereits und ist kostenlos. Hm. Ich gehe erst mal zurück in die Bar, um einen Jura zu Rate zu fragen. Hmmm. Die Warmduscher-Variante hat einen entscheidenden Vorteil: eine warme Dusche. Also lasse ich das Zelt wo es ist und buche das Zimmer, das sich als extrem komfortabel erweist. Und die Bar ist auch in greifbarer Nähe. Slainthe







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