Pausen, Pannen und Pfadfinderei

Tag 3 – Di. 22. Mai 2012

Kinlochleven – Roybridge

54km – 1102hm – 10h




Heute lasse ich es ruhig angehen. Bis Fort Augustus sind es ca. 80 km. Aber da ich nur einen GPS-Track habe und keine Beschreibung der Streckenqualität, schaue ich mal, wie weit ich komme.

Erst mal geduscht und dann in die Bar für ein Frühstück. Daran finde ich langsam Gefallen.

Start um 10 Uhr. Das Wetter ist leicht bewölkt, trocken und warm. Das erste Stück fahre ich wie gestern bis zum Ende der steilen Teerstraße, dann jedoch nicht Richtung WHW, sondern folge dem Schotterweg. An einem Anwesen ist die Weiterfahrt, bzw die Vorbeifahrt verboten, aber es wurde ein beschilderter Pfad angelegt, der unterhalb des Hauses verläuft und dann wieder auf den Hauptweg trifft.

Und weiter geht es stets bergauf auf dem immer gröber werdenden Weg. An der höchsten Stelle lädt ein Aussichtspunkt zu einem Celebration-Schluck ein, just for the taste.

Dougie MacLean – Caledonia

Als ich mit Karacho in eine Senke reinfahre, zischt es plötzlich und der Hinterreifen ist platt. Scheiße, der ist doch schlauchlos. Aber die sprudelnde Milch zeigt mir einen Riß in der Seitenwand. Wohl an einem der größeren Steine aufgeschlitzt. Keine Chance auf Abdichtung. Also Milch raus, Spezialflicken von innen auf den Mantel und Schlauch rein. Der Flicken hält nicht besonders und ich mache mir Gedanken, wie es weiter­gehen soll, denn mit Radläden kann ich nur in Fort William rechnen und mit einer kaputten Karkasse habe ich Bedenken in ein paar Tagen ins Torridon reinzufahren.

Also ändere ich den Plan und lege Fort William als heutiges Ziel fest. Allerdings habe ich dorthin keinen GPS-Track und keinen Papier­karten­ausschnitt und die Wege sind hier noch sehr spärlich in Openstreetmap eingetragen (was ich zuhause umgehend geändert habe).
Na, wird schon gehen.

Es geht noch ein Stück auf und ab auf der sanft ansteigenden Hochfläche, dann folgt eine holprige, aber spassige Abfahrt runter ins Tal.

Über meine Versuche, von hier nach Fort William zu gelangen nur so viel: 15 km auf völlig aufgeweichten Fuß- oder uninteressanten Waldwegen, die allesamt nicht zum Ziel, aber zu geknicktem Geographenstolz führten. Die Strecke habe aus dem GPS-Track gelöscht.
Nachdem ich Fort William also für heute aufgegeben habe, finde ich noch einen hübschen Waldtrail, der mich auf die Teerstrasse nach Speanbridge bringt und von dort sind es noch 3,5 Meilen über die Hauptstrasse nach Roybridge.

Ankunft 20 Uhr. 10 Stunden für 54 km. In der Rubrik Rechtfertigungen und Ausflüchte trage ich Pausen, Pannen und Pfadfinderei ein.
Bevor ich auf den Camping fahre, gönne ich mir draußen vor der Roy Bar des Roybridge Hotels einen prächtigen Burger und ein stolz-besänftigendes Pint. Hilft immer.
Der Camping ist sehr gut. Sauber, angenehme Größe, wenig Betrieb und, wie bei allen Campings auf denen ich war, gibt es keine Parzellen sondern nur eine große Wiese oder besser gesagt, englischen Rasen.
Auf einem Bein kann man nicht stehen, also fahre ich noch mal in die Hotelbar für ein Tagesabschluß-Pint.
Oder auch zwei.

Slàinte mhath!

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