Schamanen, Druiden und Midges

Tag 7 – Sa. 26. Mai 2012

Glen Sligachan – Kyleakin

57km – 475hm – 4,5h



Bild 348 Frühstück im Glen Sligachan, bestehend aus zwei Riegeln und einer Tasse Tee. Ich verabschiede mich von Les und Ken und setze meinen Weg auf dem Sligachan-Trail fort. 10 Kilometer Singletrail bei 60hm erwarten mich, meist flowig, teilweise verblockt, komplett fahrbar, ein Fest, Trail-of-the-yeehah. 



Leider ist bald Hotel Sligachan erreicht. In der Hotelbar gibt es dann das zweite Frühstück, diesmal nicht full scottish, sondern nur roll with bacon and eggs, im Saarland würde man wohl Strammer-Max-Weck sagen. Das Whiskyangebot ist eine Pracht, aber leider nichts für 11 Uhr morgens. Aber das selbst gebraute Bier muss probiert werden, schließlich klingt in dem Moment Runrigs „Once in a lifetime“ aus den Lautsprechern und wenn das mal kein Zeichen ist.

Runrig: Once in a Lifetime, Protect and Survive

Als ich dann wieder auf die A87 einbiege, wieder Plattfuß hinten. Da ich gerade an einem Bach bin und sowieso keinen neuen Schlauch mehr habe, gehe ich der Sache mal auf den Grund. Aber auch ohne Wasser sehe ich schon die Ursache. Der Super-Mantelflicken, den die „Profis“ in Fort William auf die Seitenwand geklebt haben, hat den Schlauch jeweils an den Ecken des Flickens aufgeschlitzt. Eine genaue Unter­suchung des Schlauchs von gestern zeigt dieselbe Ursache. Zum einen wurde die Schutzfolie nicht vom Flicken abgezogen und zum anderen ist der Park-Tool Flicken im Gegensatz zu meinen TipTop-Flicken geradezu scharfkantig. Was für’n Schrott. Wenn man nicht alles selbst macht. Also ziehe ich den Flicken ab und klebe sorgfältig einen meiner Flicken wieder drauf. Um’s gleich zu sagen, ich hatte auf der ganzen Tour keine Reifenpanne mehr. Aber bei der Reparatur der beiden Schläuche habe ich einen Großteil meiner Schlauchflicken verbraucht, also mal schauen, ob ich sowas in Broadford kriege. Der Offroad-Abstecher fällt aus, heute ist Samstag und ich weiß nicht, wie lange die Geschäfte auf haben.

In Broadford gehe ich erst in die Apotheke und kaufe mir ein Mückenmittel. Die Schamanin hinter der Theke empfiehlt „Avon Skin so soft“, na von mir aus, hab schließlich schon 3 Tage nicht mehr geduscht. Außerdem ergattere ich noch die letzte Flasche Sonnencreme, offenbar hat es in den letzten Tagen Hamsterkäufe gegeben.

Und jetzt stehe ich vor diesem winzigen Laden, der mir für Fahrradflickzeug empfohlen wurde. Aufgrund der Auslage kann man nicht sagen, was die verkaufen, ich tippe auf……alles. Innen ist es klein, eng und besteht nur aus einer Theke und…sonst allem. Hinter derselben steht offenbar der Druide des Dorfes, jedenfalls fast nur aus Bart bestehend und auf meine vorsichtige Frage nickt er nur und geht nach hinten. Es dauert lange, ich höre hallende, scheppernde und schabende Geräusche in weiter Ferne, offenbar ist die Bude bedeutend größer als sie von außen scheint. TARDIS kommt mir gerade in den Sinn als der Druide zurück geschlurft kommt und mir mit, ich würde gerne sagen feierlicher, aber es war tatsächlich eher gleichgültiger Miene eine kleine Dose überreicht. Vorsichtig öffne ich sie und statt der erwarteten geweihten Puffin-Federn und Cattle-Horn-Mehl liegt darin ein Stück Schleifpapier, eine Tube Vulkanisierer und 5 Flicken. Es ist offensichtlich ein sehr mächtiger Druide und ich verneige mich tief.

Nach einem Einkauf im Supermarkt und ausgiebigem, stimmungsvollen Picknick direkt hinter der Tankstelle fahre ich weiter auf der A87. Der Plan ist eigentlich, wieder zur Fähre zu fahren und von dort über den Ratagan-Pass nach Morvich und ins Glen Affric. Aber ein Schild am Abzweig nach Kylerhea zeigt mir, dass ich die letzte Fähre heute wohl nicht mehr schaffe. Also Planänderung: über die Skye-Bridge und dann, mal sehen.

Nach weiteren 5 km stehe ich auf der imposanten Brücke, eröffnet 1995.

Bild 373 In Kyle suche ich erst mal eine Bar, for sure. Dram und Stout mit Aussicht auf Kyleakin. Life’s great.

Erfolglos suche ich nach einer Möglichkeit zum Campen, aber hier ist alles recht dicht besiedelt. Also wieder über die Brücke nach Kyleakin. In der Nähe der Brücke finde ich einen midges-verseuchten Platz und teste das Avon-Zeug. Die Mücken surren immer noch in Massen um die Nase, aber kaum eine läßt sich nieder.
Schamanenzauber, entsprungen aus den Nebeln von Avon (oder so ähnlich).



Nach dem Zeltaufbau fahre ich in den Ort, suche ein Restaurant und finde es im urigen Saucy Mary’s. Die Küche ist, wie immer bisher, sehr unenglisch, sprich exzellent. Ich wähle Lachs mit einem sehr schönen Salat als starter und Muscheln in frischer Tomatensoße als main course und während ich esse werden schon Tische gerückt, heute Abend gibt es noch ein Konzert einer Folkband. Na prächtig. Aber erst mal zurück ans Zelt für ein Nickerchen.

Später dann wieder zur kessen Maria und das Konzert ist schon in vollem Gange. Drinnen ist es proppenvoll und ich hab nach der ganzen Weite der letzten Tage keinen Bedarf nach Gedrängel, hol mir also ein Pint und höre es mir von draußen an.

Zurück am Zelt endet der Tag…….episch.

Sunset at Skye Bridge



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